 |
19.03.2010
Produktionsschule Westmecklenburg in Greven
Produktionsschulen - wie weiter?
Fachlicher Austausch der Leiter der Produktionsschulen in M-V
In Greven bei Lübz befindet sich eine von insgesamt sechs
Produktionsschulen im Land. Bei einem Treffen der Schulleiter am 5. März in der
„Produktionsschule Westmecklenburg“ in Greven wurde nicht nur anhand von Zahlen
belegt, dass seit dem Start 2006 erfolgreiche Arbeit geleistet wurde.

Immerhin verlassen 75 % der Teilnehmer ihre Produktionsschule mit einer
Perspektive. Für jeden Einzelnen bedeutet dies die Chance auf den Beginn einer
beruflichen Laufbahn in einer Ausbildung, auf dem ersten bzw. zweiten
Arbeitsmarkt, mitunter aber auch die Eingliederung in weitergehende
therapeutische oder sozialpädagogische Hilfsangebote. Nach 6 Monaten befinden
sich noch 47 % der Absolventen auf dem Arbeits- oder Ausbildungsmarkt.
Die genannten Ergebnisse sind in Relation zu setzen mit dem „Rucksack voller
Probleme“, den jeder der Teilnehmer mit sich schleppt, wenn er auf freiwilliger
Basis einen Vertrag mit seiner Bildungsstätte eingeht. Produktionsschüler sind
oft entweder Schulabgänger ohne Abschluss oder Ausbildungsabbrecher – fast immer
gepaart mit weiteren Belastungen wie Behinderung, psychischen Problemen,
fehlenden familiären Bindungen oder Drogenkonsum.
Wie man künftig das Konzept der Produktionsschulen fest in der
Berufsausbildungslandschaft des Landes verankern kann, ist zurzeit Thema vieler
Gespräche mit Landes- und Kommunalpolitikern. Gesprächspartner in Greven war u.
a. Helmut Holter, Vorsitzender und wirtschaftspolitischer Sprecher der
Linksfraktion des Landtages M-V. Holter, der das Projekt von Anfang an
unterstützte, zeigte sich beeindruckt von der positiven Bilanz der Grevener
Schulleiterin. Sie legte gleich die gesammelten Zahlen aller in ein gemeinsames
Monitoring eingebundenen Produktionsschulen des Landes vor. Der regelmäßige
Austausch und die enge Zusammenarbeit sollen dazu beitragen, die
Produktionsschulpädagogik in MV mit einheitlichen Regularien, Ritualen und
pädagogischen Ansätzen auszustatten. Als Beispiele seien hier die Zahlung eines
leistungsabhängigen Taschengeldes, die Einnahme gemeinsamer Mahlzeiten und
gemeinsame Freizeitaktivitäten genannt. Allerdings wird von den Jugendlichen
auch erwartet, dass sie sich an vereinbarte Regeln halten, ihr individuelles
Arbeitspensum absolvieren und auch Verantwortung für die Gruppe übernehmen.
Die betriebsgleiche Produktion von „echten“ Erzeugnissen in den Werkstätten
und Einsatz in Betrieben sind zentrale Elemente dieser praxisorientierten
Schulform. Dies in guter Qualität und mit Blick auf den Einzelnen zu
organisieren, ist ohne die Zusammenarbeit mit der regionalen Wirtschaft nicht zu
schaffen. Hier konnten sich die Schulleiter auf ihre Beiräte, bestehend aus
öffentlichen oder freien Trägern (Sozialamt, Jugendamt, DGB) und
Wirtschaftsverbänden (z.B. HWK, IHK, Kreisbauernverband, DEHOGA,
Fischereiverband) immer verlassen.
Die Schulleiter trugen im Laufe der Veranstaltung viele überzeugende
Argumente zusammen, die für einen Ausbau der Produktionsschule nach Ablauf des
Förderzeitraums 2013 sprechen. Die Durchsetzung einer gesetzlich verankerten
Regelförderung, die den Bestand langfristig sichert, ist Ziel der
Produktionsschulen und ihrer Befürworter aus Wirtschaft und Politik. Dass diese
Variante der beruflichen Integration junger Menschen eine Lücke in der
Bildungslandschaft schließt, zeigt auch der gemessene Erfolg. Die Warteliste auf
einen Platz in der Produktionsschule
Westmecklenburg in Greven jedenfalls verlängert sich stetig.
Kontakt:
Am Wirtschaftshof 11 a
19386 Granzin OT Greven
Telefon 038731 36930
E-Mail:
trepke@ps-westmecklenburg.de
| Stichwort Produktionsschulen
|
| Die Produktionsschulen in MV sind ein Angebot der
Jugendberufshilfe und ein Bildungsangebot für Jugendliche, die nicht oder
nur mit großen Problemen in die vorhandenen Regelangebote des SGB II oder
SGB III eingebunden werden können. Sie verfügen oft über keinen
Schulabschluss, sind nicht „ausbildungsreif“, brauchen verstärkte Hilfe bei
der Berufsfindung oder haben eine Ausbildung abgebrochen. Die
Produktionsschulen werden gefördert durch das Land Mecklenburg-Vorpommern,
den Träger der Grundsicherung, die Landkreise und Kommunen. Standorte sind:
Barth, Rostock, Waren, Rothenklempenow, Greven und Wolgast. Ca. 40
bundesweit existierende Produktionsschulen sind in einem bundesweiten
Dachverband organisiert. |
|
 |