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26.10.2009
Pressemitteilung


Abschied mit etwas Wehmut

Dörte Hillig verlässt nach fast 20 Jahren die Volkshochschule des Landkreises Parchim

Dörte HilligZum Ende dieses Monats verlässt Dörte Hillig die Volkshochschule des Landkreises Parchim. Damit geht eine Ära zu Ende: Seit fast 20 Jahren war die heute 52-Jährige zunächst im Landkreis Sternberg, nach der Gebietsreform in Parchim Direktorin dieser Bildungseinrichtung, deren Angebot weit über die traditionellen “Abendkurse” hinaus geht.

Dörte Hillig, dienstälteste Vhs-Direktorin in Mecklenburg-Vorpommern, hat mit ihrem Engagement, mit ihrer ansteckenden Neugier, aber auch mit Hartnäckigkeit und Ehrgeiz die Volkshochschule geprägt. Und sie hat enormen Anteil daran, dass vielen Menschen in der Region neue Perspektiven eröffnet wurden: Ob Schulabschluss oder berufliche Qualifizierung - die Idee des lebenslangen Lernens ist nicht nur eine Frage ihrer persönlichen Einstellung, sondern zum Credo der kreislichen Bildungseinrichtung geworden.

Als Diplom-Lehrerin für Technik und Englisch nutzte Dörte Hillig nach der Wende die Chance, in der Volkshochschule des damaligen Landkreises Sternberg die Leitung zu übernehmen. “Eine Freundin hat mich ermuntert”, erinnert sich die leidenschaftliche Pädagogin, die als nebenberufliche Dozentin bereits Volkshochschulerfahrungen gesammelt hatte. Ihr Organisationstalent kam ihr bei der neuen Aufgabe zugute. “Ich habe viel Lebenskraft in meine Arbeit gesteckt”, sagt sie. Das war nicht immer einfach. Auch nicht, als sie im Jahr 1996 aufgrund ihrer Erfahrungen und sehr guten Arbeitsergebnisse mit der Leitung der Volkshochschule des neuen und so viel größeren Landkreises Parchim betraut wurde.

Kursprogramme zu erarbeiten, Dozenten zu gewinnen, Teilnehmer zu begeistern und nicht zuletzt einen reibungslosen Ablauf des Lernens zu ermöglichen - all das bestimmte den meist sehr langen Arbeitstag der gebürtigen Mecklenburgerin. Eine Menge Energie brachte Dörte Hillig auf, um Netzwerke zu knüpfen, Lobbyarbeit zu betreiben, Partner zu finden. Und nicht zuletzt, um für eine solide Finanzausstattung der Bildungseinrichtung zu sorgen. In verschiedenen Ausschüssen des Kreistages kämpfte sie um “ihren” Haushalt. Bei der Landesregierung und anderen Institutionen machte sie “Mittel locker”, damit neue Vorhaben umgesetzt werden konnten. Die berufliche Bildung lag ihr dabei besonders am Herzen. “Schon in Brüel, wo heute eine der beiden Außenstellen der Volkshochschule arbeitet, trugen wir beispielsweise den Zusatz ,Staatlich anerkannte Altenpflegeschule’”, schmunzelt Hillig. “Auch Familienpfleger, Umweltassistenten oder Bilanzbuchhalter - um nur einige Beispiele zu nennen - hat die Volkshochschule im Laufe der Zeit hervorgebracht.“

Und junge Menschen, die nicht nur für den Schulabschluss, sondern fürs Leben gelernt haben. Gordon Bogdan (21) gehört dazu. Der aus Plauerhagen stammende junge Mann hat zwischenzeitlich als Bester seines Jahrgangs die 9. Klasse abgeschlossen und “richtig was bewegt”. “Lehrerschicksale im Schatten stalinistischer Macht” heißt das Projekt, mit dem Gordon und andere Jugendliche Aufmerksamkeit erregen. In dem sie geforscht, Filmsequenzen gedreht, Exkursionen unternommen und nicht zuletzt die Öffentlichkeit bewegt haben. “Das macht stolz”, sagt Gordon und ist dankbar. Für Respekt, der ihm gezollt wird. Für einen Platz, den er sich erobern konnte. Aber auch für klare, energische Worte. An denen hat Dörte Hillig nicht gespart - wenn es notwendig war. Auch das gehört dazu, wenn man Wege ebnen will, die über das Normale hinausgehen.

Wissensvorsprung zählt eben. Auch für eine Direktorin. Daher hat Dörte Hillig darauf bestanden, in die Satzung der Volkshochschule eine Lehrverpflichtung für das pädagogische Personal aufzunehmen. Selbstredend, dass sie mit gutem Beispiel vorangegangen ist. Bis heute unterrichtet sie Englisch, backt Plumpudding mit ihren “Hörern”, die zum Teil seit sieben Jahren dem Kurs die Treue halten. Und sie weiß, worauf es ankommt, wenn sie mit Dozenten spricht. “Ich kann methodische und didaktische Aspekte nur hinterfragen, wenn ich weiß, worum es geht”, begründet sie die Notwendigkeit, selbst vor der Klasse zu stehen. Regelmäßige Weiterbildungen gehören ebenso zum Stundenplan der Lehrenden.

Das will Dörte Hillig auch in Zukunft beibehalten. Die Zukunft - die liegt für sie in Schleswig-Holstein und Hamburg, wo ein neuer Lebensabschnitt beginnt. Der Liebe wegen. “Ich habe meinen Traummann kennen gelernt”, sagt sie. In dessen Unternehmen, einem renommierten Verlag, wird sie das Führungsteam verstärken und in der Weiterbildung als Dozentin tätig sein. Wie viel Zeit dabei für Hobbys und Familie bleibt, wird sich zeigen. Reisen, malen, auf einem Boot das Steuer übernehmen oder einfach nur am Ostseestrand spazieren zu gehen - an Ideen mangelt es nicht. Auch Improvisationstheater möchte Dörte Hillig gern wieder spielen.

Wenn sie jetzt geht, nimmt Dörte Hillig viele gute Erinnerungen mit, aber auch etwas Wehmut: Es gebe nämlich noch eine Menge zu tun. Im Landkreis Parchim. In Mecklenburg-Vorpommern. Auch für die, für ihre Volkshochschule. Aktuell stehen 400 verschiedene Kurse auf dem Plan. 2000 Teilnehmer nutzen das Angebot, das vom Abitur bis zum Zwergenturnen alle gesellschaftlich relevanten Bereiche abdeckt. 150 Dozenten vermitteln in 8000 Stunden pro Jahr Wissen und Kenntnisse. “Mitte der 90er-Jahre lag die Zahl der Kursstunden sogar bei 16.000 pro Jahr. Das ist eine enorme Leistung - vom Team und den über 1000 Dozenten, mit denen ich in fast 20 Jahren zusammengearbeitet habe”, schätzt Hillig ein. Alle, die ihr in den zurückliegenden Jahren zur Seite standen, haben einen großen Anteil am Erfolg des außerschulischen Lernens im Landkreis. “Ich habe enormen Rückhalt erfahren. Dafür bin ich sehr dankbar”, sagt die scheidende Direktorin.

     

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