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18.11.2009 IHK-Forum


Ausbildung gehört auf den Prüfstand

Lebhafte Diskussion bei IHK-Veranstaltung: Landrat stellt sich Fragen von Unternehmern

Die Ausbildungssituation, der demografische Wandel, die Zukunft des Mecklenburgischen Landestheaters Parchim und die weitere Entwicklung des Flughafens waren Themen, die am Mittwochabend im Parchimer Innovations- und Technologiezentrum (PITZ) erörtert wurden. Die IHK zu Schwerin hatte Unternehmer eingeladen, mit Landrat Klaus-Jürgen Iredi ins Gespräch zu kommen.

Landrat Klaus-Jürgen Iredi (r.) stellte sich im Gespräch mit Peter Todt von der IHK zu Schwerin den Fragen Parchimer Unternehmer. Foto (c) Landkreis Parchim„Wir haben im Landkreis Parchim 192 Ausbildungsbetriebe, davon unter anderem 37 im gewerblich-technischen sowie 130 im kaufmännischen Bereich. Das kann sich sehen lassen”, sagte Peter Todt, bei der IHK zu Schwerin für die Berufsbildung verantwortlich. 222 neue Ausbildungsverträge seien geschlossen worden - das sei ein gutes Zeichen für die Wirtschaft. Was die Zahlen betraf, erntete er keinen Widerspruch, wohl aber hinsichtlich der Qualität der Ausbildung. Unterrichtsausfall in Größenordnungen, fragliche Lehrinhalte und zu geringes Wissen bei den Lehrlingen wurden beklagt. Ursachen dafür liegen aus Sicht der Unternehmer bereits in der Schule. Kommt in bestimmten Branchen noch eine unzureichende Ausbildungsvergütung hinzu, müsse man sich nicht wundern, dass junge Menschen anderswo ihren beruflichen Weg finden wollen. „Und genau da müssen wir ansetzen. Die Landesregierung ist gefordert, neue Strukturen zu entwickeln, die eine vernünftige Ausbildung vor Ort sichern”, forderte Landrat Klaus-Jürge Iredi auch mit Blick auf die Berufliche Schule des Landkreises. Rückholaktionen helfen nicht, wenn junge Menschen in anderen Bundesländern Fuß gefasst haben, meinte der Landrat. Parchim verfüge über sehr gute Bedingungen an der Beruflichen Schule. Der Landkreis als Träger habe jedoch keinerlei Einfluss auf eine inhaltliche Gestaltung der Ausbildung.

Mehr Engagement sei in den Schulen und auch von Eltern gefragt, waren sich Unternehmer, Landrat und IHK-Vertreter einig. „Wir können in der Berufsausbildung nicht reparieren, was in der Schule versäumt wurde. Die Zahl von jährlich 1700 bis 2000 Absolventen ohne Schulabschluss ist einfach nicht hinnehmbar”, sagte Peter Todt. Hier müsse dringend etwas passieren, damit gar nicht erst so viele Schüler ohne Abschluss da sind. „Um dem aktuellen Trend und seinen Folgen entgegenzuwirken, setzen wir sehr viel Geld ein, zum Beispiel durch die Schaffung von Sonderprogrammen. Ich teile die Kritik der Unternehmer, dass sich zu wenig gute Bewerber für eine Ausbildung in unserer Region interessieren. Angesichts der hohen Anforderungen, die in vielen Unternehmen zu bewältigen sind, werden aber gerade gut ausgebildete junge Menschen gebraucht”, so Iredi. Und die sind nicht (mehr) da, bestätigten Heike Fredrich von der Sparkasse Parchim-Lübz, Wolfgang Mulsow vom gleichnamigen Autoservice in der Kreisstadt oder auch Lars Nußbeck aus Hof-Kreien, der Konstruktionsmechaniker für die Montage sucht.

Sorge bereitet den Unternehmern auch die zunehmende Alterung der Bevölkerung. Lag der Altersdurchschnitt Mitte der 90er-Jahre mit 35 noch relativ niedrig, so beträgt das Durchschnittsalter heute 46 Jahre. Dramatisch gestalte sich auch die Abwanderung: 100 bis 200 Menschen kehren monatlich dem Landkreis den Rücken. Die Einwohnerzahl sinkt kontinuierlich: Während 1998 noch rund 110.000 Menschen im Landkreis Parchim zu Hause waren, sind es aktuell weniger als 100.000. Die Prognose für 2020, so Landrat Iredi, sieht nur noch 80.000 Einwohner in der Region. Das habe gravierende Auswirkungen hinsichtlich des Finanzausgleiches. Auch eine Zusammenlegung von Landkreisen helfe nicht, dringend notwendige Mittel für die Ansiedlung neuer Unternehmen und die Schaffung innovativer Arbeitsplätze durch die veränderten Verwaltungsstrukturen einzusparen.

Klaus-Jürgen Iredi informierte die Vertreter der regionalen Wirtschaft, dass die veränderte und mit Blick auf die Theaterstrukturen im Land an Bedingungen geknüpfte Finanzausstattung im nächsten Jahr nichts Gutes ahnen lässt. Der Landrat appellierte an die Unternehmer, den Landkreis und die Stadt Parchim bei ihren Bemühungen zum Erhalt des Mecklenburgischen Landestheaters tatkräftig zu unterstützen. Eine Kooperationsvereinbarung mit der Rostocker Bühne sei derzeit ein Hoffnungsschimmer, um den Parchimer Standort zu retten. Hoffnung hat der Verwaltungschef auch hinsichtlich der Flughafenentwicklung. „Es wird wieder Fracht umgeschlagen. Das ist ein gutes Zeichen.”

     

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