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26.01.2006


Kreisbauernverband Parchim wählte neuen Vorstand

Auf einer außerordentlichen Mitgliederversammlung wählte am 26. Januar der Kreisbauernverband Parchim einen neuen Vorstand, dessen elf Mitglieder aus elf Regionen des Landkreises kommen: 

Wilfried Kunzel, Heinrich Lembke, Hartmut Wenger, Berthold Löbel, Roland Ohlendorf, Hans Berckemeyer, Jürgen Fokuhl, Gudrun Lübbe, Rainer Hromada, Monika Hansen und Dr. Lutz Reinhardt, der zum Vorsitzenden wiedergewählt wurde. 

Mitglieder des neuen Vorstandes des Kreisbauernverbandes


Dr. Reinhardt zog vor rund 90 Mitgliedern in Dargelütz eine positive Bilanz der Verbandsarbeit: „Wir brauchen uns hinter anderen Branchen nicht verstecken“. Zu welcher Leistung die Landwirtschaft im Landkreis fähig ist, haben die Auftritte bei der Mela 2005 und bei der Grünen Woche 2006 gezeigt. Der Kreisbauernverband hat 183 Mitglieder, die 99 013 Hektar (entspricht 76 Prozent der gesamten landwirtschaftlichen Nutzfläche des Kreises) bewirtschaften. Dr. Reinhardt stellte dazu in seinem Rechenschaftsbericht dar, dass die Genossenschaften „sich am ehesten“ mit dem Verband identifizieren, was bei den Nebenerwerbslandwirten noch nicht zutrifft, denn nur 10 von 173 sind Mitglied. Aber: „Wenn wir Einfluss ausüben wollen, brauchen wir mehr Mitglieder!“ Deshalb das Ziel, in diesem Jahr 80 Prozent bezogen auf die Fläche im Verband zu vereinen.

Schwerpunkte der 31 Mitgliederversammlungen waren die Agrarreform, Cross compliance, das Agrarrecht, der Tag der offenen Tür als Darstellung gegenüber dem Verbraucher (der nächste ist am 14. Mai) sowie Protestveranstaltungen, die sich auf Milchpreis und Zuckerrüben bezogen. Das Anliegen des Vorstandes war es, zu informieren, Hinweise zu geben, Tendenzen aufzuzeigen und Probleme aufzugreifen. Die Geschäftsstelle des Kreisbauernverbandes leistete Hilfestellung bei der Antragsstellung und Frostschädenaufnahme und gab Rechtsberatung. 
Dr. Reinhardt konstatierte: „Wir haben auf die richtigen Schwerpunkte gesetzt!“ 

Noch nicht befriedigen kann die Verbindung zu den Landfrauen, den Nichterwerbslandwirten und zum Parchimer Bauernmarkt, der am 13. April eröffnet wird.

Auf die alles bestimmende Politik aus Brüssel und Berlin eingehend, gab Dr. Reinhardt seiner Freude Ausdruck, dass nun mehr Realismus eingezogen zu sein scheint, ein Bürokratieabbau aber nicht erreicht wurde: „Die Politik soll uns fördern nicht bremsen!“ Ob die GAP-Reformen mehr Markt, mehr Wettbewerb und mehr Planungssicherheit bringen werden, ist fraglich. Zugesagt wurde, dass die flächendeckende Landwirtschaft bis 2013 erhalten bleibt: „Daran glaube ich nicht, es sei denn, wir finden einen Markt für nachwachsende Rohstoffe.“ Nach wie vor besteht ein Missverhältnis zwischen dem Preis für Rohstoffe und den Preisen für die Betriebsmittel. Dr. Reinhardt machte deutlich: „Es geht um Macht in der Wertschöpfungskette.“ Die Einnahmen der Landwirte gehen mehr und mehr zurück, da ihre Produkte trotz kostenintensiver Qualitätssicherungssysteme geringer bezahlt werden. Hinzu kommen die Kürzungen der Ausgleichszahlungen bei Diesel und für Böden mit niedrigen Ertragswerten: „Für unsere gute Arbeit erhalten wir eine nicht ausreichende Entlohnung. Die Existenznot der Bauern ist vorhanden. Wir wollen Existenzsicherung bei Vielfalt der Eigentumsverhältnisse.“ 

Dr. Reinhardt verwies auf eine andere gefährliche Tendenz, den Rückgang der Ausbildungsplätze. Auch der Anteil der Ausbildungsabbrüche ist größer geworden, „wir brauchen aber junge Leute, welche die Landwirtschaft erlernen wollen“. Dr. Reinhardt erinnerte angesichts des Wertewandels, dass ein neues Leitbild für die Landwirtschaft nötig ist und fragte: „Haben wir eine Antwort für die Zukunft?“ Zahl und Geschwindigkeit von Veränderungen nehmen zu, deshalb muss die Rolle des Landwirts als Unternehmer mehr in den Mittelpunkt gestellt werden. Bauern denken in Generationen, ihre Probleme sind gesamtgesellschaftliche Probleme. Einigkeit, Interessenbündelung, Bildung von Erzeugergemeinschaften, Kooperation, Risikobereitschaft, Investitionen und Wertschöpfung sind Aufgaben der nächsten Zeit. Dr. Reinhardt forderte: „Der Boden gehört in Bauernhand“, denn es gibt Fremdkapitalanleger, „darin sehe ich eine große Gefahr“. Dr. Reinhardt dankte abschließend allen Mitgliedern für ihren Einsatz im Verband: „Es ist nötig, dass wir zusammenhalten“.

Einen ausdrücklichen Dank richtete er an Landrat Klaus-Jürgen Iredi, „der ein offenes Ohr für die Landwirtschaft hat und die Landwirtschaft als Wirtschaftsfaktor begreift“. Der Landrat würdigte dann auch in seinem Grußwort die Landwirtschaft als Wirtschaftskraft Nr. 1 im Osten Deutschlands. 

Iredi ging auf die hohe Kreisumlage ein, die er als notwendig bezeichnete, werde doch daraus beispielsweise der Schülerverkehr finanziert.

Er lehnte eine Erhöhung der Hebesätze in den Gemeinden ab, wie vom Innenministerium gefordert wird: „Das ist wirtschaftlich unfreundlich“. Er bat den Kreisbauernverband, sich aktiv an der Verwaltungsreform zu beteiligen: „Wir können die Region nur gemeinsam voranbringen.“

(Veröffentlicht im Landboten Nr. 02 2006)

     

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