2010-01-27 Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus
Wie in jedem Jahr wurde auf Beschluss des Kreistages Parchim eine
Gedenkfeier für die Opfer des Nationalsozialismus veranstaltet.

[... zur Bildergalerie]
Am 27. Januar fand die Gedenkstunde, zu der Kreistagspräsidentin Gudrun Stein
eingeladen hatte, mit den SchülerInnen der 11. Klassen im Gymnasium Crivitz
statt.
Neben Kreistagspräsidentin Gudrun Stein und Landrat Klaus-Jürgen Iredi waren
Mitglieder des Kreistages sowie der Bürgermeister der Stadt Crivitz Ullrich
Güßmann anwesend.
Einleitend las Gastredner Mattias Hofmann, Leiter des Medienbildungsprojektes
der Stadt Lübz, aus dem Buch „Meine Zeit mit Anne Frank“ von Miep Gies. Die
Niederländerin gehörte zu den Menschen, die Anne Frank sowie ihrer Familie
halfen, während des Zweiten Weltkrieges unterzutauchen. Nach dem Krieg übergab
sie die Tagebücher von Anne Frank ihrem Vater. Am Abend des 11. Januar 2010
verstarb Frau Gies im Alter von 100 Jahren.
Anhand der ausgewählten Zitate führte Mattias Hofmann den überwiegend
jugendlichen Zuhörern vor Augen, was Juden durften bzw. nicht durften:
- Sie mussten einen 5-zackigen handgroßen gelben Judenstern tragen.
- Sie mussten ihre Fahrräder abgeben.
- Sie durften nicht zwischen 8 Uhr abends und 6 Uhr morgens auf die Straße
gehen.
- Sie durften sich nicht auf öffentlichen Plätzen aufhalten.
Gudrun Stein sprach über die grausame Zeit der Massenvernichtung. Dabei
zitierte sie Herrn Dr. Fritz Rohde, der den Zug der KZ-Häftlinge auf dem
Todesmarsch durch Crivitz ziehen sah. Er nahm ein grausames Bild von
unterernährten, geschwächten Frauen und Männern war.
Constanze Block, Mitglied des Medienbildungsprojektes der Stadt Lübz, führte
das Theaterstück „Der Kaktus“ auf. Inhaltlich ging es um eine junge Frau, die an
den Ort ihrer Kindheit zurückkehrte und einen Kaktus sah. Diese Topfpflanze
gehörte einem Juden, dem es im Grunde nicht gestattet war, Topfpflanzen zu
halten. Obwohl das Mädchen nichts von dem Besitz erzählen durfte, berichtete sie
in ihrem Ghetto über das Gesehene. Als sie später den Juden besuchen wollte, war
er bereits von den Nazis geholt worden – nur weil er in Besitz einer Topfpflanze
war!
Nach Abschluss der Aufführung begaben sich die Teilnehmer zur
Kranzniederlegung vor die Gedenkkapelle auf dem Friedhof in Crivitz. Sechs SchülerInnen der 11. Jahrgangsstufe begleiteten die Teilnehmer auf dem Friedhof.
Die Pietà in der „Kapelle des Todesmarsches“ ist von dem Crivitzer Bildhauer
Wieland Schmiedel gestaltet. Die Vertreter aller Fraktionen des Kreistages
legten Gestecke nieder.
| Geschichte |
Der Gedenktag an die Opfer des
Nationalsozialismus wurde seit dem 3. Januar 1996 durch den öffentlichen
Aufruf des Bundespräsidenten Roman Herzog eingeführt und auf den 27. Januar
festgelegt, da zu diesem Zeitpunkt die sowjetischen Soldaten die
Überlebenden des Konzentrationslagers Auschwitz befreiten. Hier wurden in
den Jahren von 1940 bis 1945 mehr als eine Million Menschen verfolgt,
gequält und ermordet. Als Symbol für diesen Völkermord steht das
Konzentrationslager Auschwitz.
Am 1. November 2005 erklärte die Generalversammlung der Vereinten Nationen
den 27. Januar in einer Resolution offiziell zum internationalen
Holocaustgedenktag. |
Bildergalerie:
|