18. März 2010  
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29.01.2010 Kataster- und Vermessungsamt


Start des regionalen Geodatenportals

Geographisches Informationssystem ermöglicht zukünftig Zugriff auf Vielzahl kommunaler Daten

Satellitenbildansicht im Geodatenportal: Blick auf die Gebäude der Kreisverwaltung ParchimWo befinden sich geschützte Landschaftsteile? Wie viele Häuser stehen in der Plauer Mauerstraße? Welche Steigungen weisen Radwege in der Lewitz auf? Welche Baugrundstücke sind in welcher Lage verfügbar? Und was müssen Interessierte dafür zahlen? - Antworten auf raumbezogene Fragen gibt es künftig per Mausklick: Der Landkreis Parchim startet das regionale Geodatenportal. Ziel ist es, stufenweise einen grenzübergreifenden Zugang zu 34 ausgewählten Geodatenkomplexen zu ermöglichen sowie Informationen einheitlich und für jedermann nutzbar darzustellen. Verwaltungen, Behörden, Unternehmen, aber auch Bürger können mit unterschiedlich definierten Zugriffsrechten von einem enormen Informationspotenzial profitieren, sagt Andreas Boldt, stellvertretender Leiter des Katasteramtes der Kreisverwaltung Parchim. Immerhin 80 Prozent der Verwaltungsentscheidungen weisen einen Raumbezug auf, d.h., sie stützen sich auf eben jene Geodaten.

Manuel Schulz (l.) und Andreas Boldt (2.v.l.) informieren regelmäßig innerhalb der Kreisverwaltung über den aktuellen Stand. Geographische Informationssysteme (kurz GIS) finden seit langem eine breite Anwendung. Ob Umwelt, Archäologie, Kartographie, Städteplanung, Demographie, Logistik, Marketing oder Rohstoffmanagement – die Darstellung raumbezogener Daten ist bei der Arbeit vieler Verwaltungen unverzichtbar geworden. Um möglichst vielen Nutzern diese Informationsquelle auf einfache und schnelle Art zu erschließen, hat die EU im Jahr 2007 mit der INSPIRE-Richtlinie eine Grundlage geschaffen, eine einheitliche Geodateninfrastruktur aufzubauen. Mit europaweit festgelegten rechtlichen Rahmenbedingungen sollen bestehende Probleme bei der Verfügbarkeit, Qualität, Organisation, Zugänglichkeit und gemeinsamen Nutzung von Geodaten, die in gleicher Weise zahlreiche Bereiche der Politik und nahezu alle Verwaltungsebenen betreffen, gelöst werden. Jetzt erfolgt die regionale Umsetzung. Bis in das Jahr 2019, so Andreas Boldt, soll das Projekt abgeschlossen sein. Eile ist daher nicht oberstes Gebot, wohl aber Akribie und Sensibilität. „Besonders wichtig ist es, den Datenbestand regelmäßig zu aktualisieren und zu erweitern. Nur so können die geplanten Dienste, die von Such- über Darstellungs- und Downloadfunktionen bis hin zur Umwandlung bestimmter Informationen reichen, gewährleistet werden.“ Die wesentlichen Voraussetzungen dafür sind in der Parchimer Kreisverwaltung bereits erfüllt.

Die vielfältige Darstellung solcher Informationen birgt jedoch auch Risiken. Dass jeder Internetnutzer ohne weiteres beispielsweise die Ausdehnung und Form des Grundstücks seines Nachbarn ermitteln könnte oder Versicherungsunternehmen die Darstellung potenzieller Überschwemmungsgebiete für die Berechnung ihrer Policen zugrunde legen, erscheint fast harmlos, wenn man bedenkt, dass hoch aufgelöste Bilder heute bereits erkennen lassen, welche Cola-Sorte auf dem Terrassentisch steht. „Die datenschutzrechtlichen Regelungen lassen diesbezüglich noch einiges offen. Deshalb prüfen die Fachämter unseres Hauses sehr genau, welche Informationen überhaupt relevant und welche Schutzrechte zu beachten sind. Das geschieht in enger Absprache mit dem Datenschutzbeauftragten des Landkreises. Wir sind uns der Verantwortung sehr wohl bewusst, dass sich aus einer gewollten Transparenz der Region nicht Nachteile für die hier lebenden Menschen ergeben.“ Das werde auch bei der Definition der Zugriffsrechte sowie der Bereitstellung der Dienste berücksichtigt, für die besondere Lizenz- und Nutzungsbedingungen erarbeitet werden. All das geschieht nicht im Alleingang: In speziellen Arbeitsgruppen tauschen sich die Verwaltungsmitarbeiter mit Fachleuten ebenso aus wie mit den Kollegen der Nachbarkreise.

Andreas Boldt ist davon überzeugt, dass das regionale Geodatenportal ein Gewinn ist. „Nutzer brauchen die Daten nicht selbst zu beziehen und vorzuhalten oder umwandeln. Diese sind standardisiert verfügbar, aktuell und vergleichbar mit Daten anderer Regionen. Die Informationen können auch für eigene Zwecke genutzt werden. Für uns als Verwaltung besteht die Möglichkeit, flexibel auf Bedürfnisse vor Ort zu reagieren, d.h., wir können bei Bedarf Jagdreviere ebenso wie Reitwege oder Gewerbegebiete abbilden und eine Vielzahl von Informationen zur Verfügung stellen.“ Interessenten, so Boldt, gebe es bereits. So haben verschiedene Verbände, die Arge, aber auch Öffentlich bestellte Vermessungsingenieure, Banken, Sparkassen und Notare bekundet, das Geodatenportal nutzen zu wollen. Bürger des Landkreises, so sind sich die Verwaltungsmitarbeiter einig, werden in erster Linie vom Mehrwert profitieren, der sich mit der stetig steigenden Zahl verfügbarer Informationen einstellt. Das können Auskünfte zu Baulandpreisen sein, aber auch die Lage und möglicherweise aktuelle Angebote von Kunst- und Kulturstätten der Region. Für die Verwaltung, so Boldt, ist allein mit dem Einpflegen der Daten eine Menge Arbeit verbunden. „In vielen Fachämtern stehen die Mitarbeiter dem GIS sehr aufgeschlossen gegenüber. Sie bringen Vorschläge ein und eignen sich notwendiges Fachwissen an.“ Zur Seite steht den Mitarbeitern ein GIS-Koordinator: Manuel Schulz hat diese Aufgabe im Oktober 2009 übernommen. Der 27-Jährige Diplom-Ingenieur (FH) für Geoinformatik führt die Informationsflut zusammen und sorgt für die standardisierte, übersichtliche Darstellung im Internet.
Neuer Menüpunkt unter www.kreis-pch.de: Geodatenportal

     

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