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29.01.2010 Kataster- und Vermessungsamt
Start des regionalen Geodatenportals
Geographisches Informationssystem ermöglicht zukünftig Zugriff auf Vielzahl
kommunaler Daten
Wo
befinden sich geschützte Landschaftsteile? Wie viele Häuser stehen in der Plauer
Mauerstraße? Welche Steigungen weisen Radwege in der Lewitz auf? Welche
Baugrundstücke sind in welcher Lage verfügbar? Und was müssen Interessierte
dafür zahlen? - Antworten auf raumbezogene Fragen gibt es künftig per
Mausklick: Der Landkreis Parchim startet das regionale
Geodatenportal. Ziel ist es, stufenweise einen grenzübergreifenden Zugang
zu 34 ausgewählten Geodatenkomplexen zu ermöglichen sowie Informationen
einheitlich und für jedermann nutzbar darzustellen. Verwaltungen, Behörden,
Unternehmen, aber auch Bürger können mit unterschiedlich definierten
Zugriffsrechten von einem enormen Informationspotenzial profitieren, sagt
Andreas Boldt, stellvertretender Leiter des Katasteramtes der Kreisverwaltung
Parchim. Immerhin 80 Prozent der Verwaltungsentscheidungen weisen einen
Raumbezug auf, d.h., sie stützen sich auf eben jene Geodaten.
Geographische
Informationssysteme (kurz GIS) finden seit langem eine breite Anwendung. Ob
Umwelt, Archäologie, Kartographie, Städteplanung, Demographie, Logistik,
Marketing oder Rohstoffmanagement – die Darstellung raumbezogener Daten ist bei
der Arbeit vieler Verwaltungen unverzichtbar geworden. Um möglichst vielen
Nutzern diese Informationsquelle auf einfache und schnelle Art zu erschließen,
hat die EU im Jahr 2007 mit der INSPIRE-Richtlinie eine Grundlage geschaffen,
eine einheitliche Geodateninfrastruktur aufzubauen. Mit europaweit festgelegten
rechtlichen Rahmenbedingungen sollen bestehende Probleme bei der Verfügbarkeit,
Qualität, Organisation, Zugänglichkeit und gemeinsamen Nutzung von Geodaten, die
in gleicher Weise zahlreiche Bereiche der Politik und nahezu alle
Verwaltungsebenen betreffen, gelöst werden. Jetzt erfolgt die regionale
Umsetzung. Bis in das Jahr 2019, so Andreas Boldt, soll das Projekt
abgeschlossen sein. Eile ist daher nicht oberstes Gebot, wohl aber Akribie und
Sensibilität. „Besonders wichtig ist es, den Datenbestand regelmäßig zu
aktualisieren und zu erweitern. Nur so können die geplanten Dienste, die von
Such- über Darstellungs- und Downloadfunktionen bis hin zur Umwandlung
bestimmter Informationen reichen, gewährleistet werden.“ Die wesentlichen
Voraussetzungen dafür sind in der Parchimer Kreisverwaltung bereits erfüllt.
Die vielfältige Darstellung solcher Informationen birgt jedoch auch Risiken.
Dass jeder Internetnutzer ohne weiteres beispielsweise die Ausdehnung und Form
des Grundstücks seines Nachbarn ermitteln könnte oder Versicherungsunternehmen
die Darstellung potenzieller Überschwemmungsgebiete für die Berechnung ihrer
Policen zugrunde legen, erscheint fast harmlos, wenn man bedenkt, dass hoch
aufgelöste Bilder heute bereits erkennen lassen, welche Cola-Sorte auf dem
Terrassentisch steht. „Die datenschutzrechtlichen Regelungen lassen
diesbezüglich noch einiges offen. Deshalb prüfen die Fachämter unseres Hauses
sehr genau, welche Informationen überhaupt relevant und welche Schutzrechte zu
beachten sind. Das geschieht in enger Absprache mit dem Datenschutzbeauftragten
des Landkreises. Wir sind uns der Verantwortung sehr wohl bewusst, dass sich aus
einer gewollten Transparenz der Region nicht Nachteile für die hier lebenden
Menschen ergeben.“ Das werde auch bei der Definition der Zugriffsrechte sowie
der Bereitstellung der Dienste berücksichtigt, für die besondere Lizenz- und
Nutzungsbedingungen erarbeitet werden. All das geschieht nicht im Alleingang: In
speziellen Arbeitsgruppen tauschen sich die Verwaltungsmitarbeiter mit
Fachleuten ebenso aus wie mit den Kollegen der Nachbarkreise.
Andreas Boldt ist davon überzeugt, dass das regionale Geodatenportal ein
Gewinn ist. „Nutzer brauchen die Daten nicht selbst zu beziehen und vorzuhalten
oder umwandeln. Diese sind standardisiert verfügbar, aktuell und vergleichbar
mit Daten anderer Regionen. Die Informationen können auch für eigene Zwecke
genutzt werden. Für uns als Verwaltung besteht die Möglichkeit, flexibel auf
Bedürfnisse vor Ort zu reagieren, d.h., wir können bei Bedarf Jagdreviere ebenso
wie Reitwege oder Gewerbegebiete abbilden und eine Vielzahl von Informationen
zur Verfügung stellen.“ Interessenten, so Boldt, gebe es bereits. So haben
verschiedene Verbände, die Arge, aber auch Öffentlich bestellte
Vermessungsingenieure, Banken, Sparkassen und Notare bekundet, das
Geodatenportal nutzen zu wollen. Bürger des Landkreises, so sind sich die
Verwaltungsmitarbeiter einig, werden in erster Linie vom Mehrwert profitieren,
der sich mit der stetig steigenden Zahl verfügbarer Informationen einstellt. Das
können Auskünfte zu Baulandpreisen sein, aber auch die Lage und möglicherweise
aktuelle Angebote von Kunst- und Kulturstätten der Region. Für die Verwaltung,
so Boldt, ist allein mit dem Einpflegen der Daten eine Menge Arbeit verbunden.
„In vielen Fachämtern stehen die Mitarbeiter dem GIS sehr aufgeschlossen
gegenüber. Sie bringen Vorschläge ein und eignen sich notwendiges Fachwissen
an.“ Zur Seite steht den Mitarbeitern ein GIS-Koordinator: Manuel Schulz hat
diese Aufgabe im Oktober 2009 übernommen. Der 27-Jährige Diplom-Ingenieur (FH)
für Geoinformatik führt die Informationsflut zusammen und sorgt für die
standardisierte, übersichtliche Darstellung im Internet.
Neuer Menüpunkt unter www.kreis-pch.de:
Geodatenportal
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